Newsletter #47 Mut kann man lernen

Mut entsteht nicht trotz, sondern in der Begegnung mit Angst – und oft gerade dann, wenn unsere Rechte oder Werte auf dem Spiel stehen. Geschichten von Menschen, die genau in solchen Momenten das Handeln wagen, zeigen: Mut ist ein alltäglicher Akt der Selbstbestimmung, der den Raum für Gestaltung und Widerstand öffnet. Dieses Verständnis hilft, den eigenen Mut im Alltag zu erkennen und zu stärken.

Titelbild

Gulati, gestützt auf Forschung aus Psychologie und Organisationsverhalten, kommt zu einer einfachen, aber machtvollen Erkenntnis: Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst, sondern handeln im Angesicht der Angst. Das Gegenteil, Feigheit ist weniger verurteilenswert, als vielmehr eine natürliche Überlebensreaktion des Menschen in Gefahrensituationen. Sie wird verstärkt durch Gruppenzwang oder überzogene Risikofokussierung. Mutige Menschen verdrängen ihre Angst nicht – sie akzeptieren sie als Teil ihres Handelns. Und sie handeln, weil sie etwas Größeres im Blick haben: einen Sinn, einen Wert, eine Überzeugung. Angst lähmt, wo kein „Warum“ trägt.

In Unternehmen zeigt sich Mut kaum unter Einsatz des Lebens. Mut heißt hier: Entscheidungen unter hoher Unsicherheit zu treffen. Das heißt, eine defizitäre Einheit radikal umbauen. Unbequeme Personalentscheidungen treffen. Sich nicht auf Risiken zu fokussieren, um nicht der Selbsttäuschung zu erliegen, Unsicherheit in Gewissheit verwandeln zu können. Mitarbeitenden Vorschussvertrauen zu geben. Eine Strategie zu korrigieren, wenn sich herausstellt: Wir lagen falsch. Trotz Rezession in Digitalisierung zu investieren.

Gerade in unsicheren Zeiten zeigt sich, wie tief der Mut einer Organisation reicht. Während die meisten Unternehmen in Krisen reflexartig auf Kostenbremse setzen, investieren die Mutigen – und wachsen daran. Eine Langzeitstudie von Bain & Company zeigt: Nur rund neun Prozent der Unternehmen investierten in Krisenzeiten gezielt in Wachstum. Jahre später zeigt, sich, dass genau die ein nachhaltiges Wachstum hinlegten.

Mut ist trainierbar wie ein Muskel. Jeder, der Verantwortung trägt, kann ihn bei sich und seiner Organisation stärken:

  • Akzeptiere das Unbekannte. Unsicherheit ist kein Defizit, sondern der Normalzustand. Versuche Dich ins Unbekannte hinein zu agieren. Wie vorsichtige Schritte vom Ufer auf den zugefrorenen See.
  • Zerlege Risiken. Große Schritte werden leichter, wenn sie in kleinere, steuerbare Aktionen aufgeteilt sind. Wer Zwischenziele schafft, findet Halt im Vorantasten.
  • Kläre das „Warum“ deines Unternehmens. Menschen werden mutig, wenn sie wissen, wofür. Sinn stiftet Richtung und gibt Kraft.
  • Diszipliniere zur Ruhe, wenn es hektisch wird. Sullenberger im Rückblick: „Ich zwang mich ruhig zu bleiben. Denn ich wusste: Nur mit einem ruhigen Blick bin ich in der Lage eine solche Operation (wie die Notlandung auf dem Hudson River) vorzunehmen.“ Routinen der Ruhe – regelmäßiger Sport, Spaziergänge, Meditation, Auszeiten im Team – geben Stabilität.
  • Ermuntere zur Improvisation. Denke in Optionen, probiere aus, lerne schnell aus Fehlern, gib psychologische Sicherheit, so dass sich jeder traut zu sagen: „Ich sehe das anders.“ „Was wäre, wenn wir es so machen?“

Gulatis Buch endet mit einem Zitat aus Shakespeares Drama Henry V.: „All things are ready, if your minds be so”. Also: Nur Mut!

Euer Markus Baumanns

Beitrag teilen:

Ähnliche Beiträge

Monatlicher Newsletter

"Unsicherheit umarmen"

Sie tragen Verantwortung in einem mittelständischen Unternehmen, einem schnell wachsenden Start-up oder einer großen gemeinnützigen Einrichtung?

Dr. Markus Baumanns teilt in seinem monatlichen Newsletter Branchen-Insights, diskutiert Neuigkeiten aus der Wirtschaft und stellt Fragen, die zum Nachdenken inspirieren. Freuen Sie sich auf Denkanstöße, neue Perspektiven und anregende Diskussionen – Jetzt zum Newsletter anmelden!

Ihre Anmeldung konnte nicht gespeichert werden. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihre Anmeldung - wir freuen uns auf Ihre Reaktion.