
Hallo aus Hamburg,
wir alle spüren die Verdichtung von Krisen: anhaltende Konjunkturschwäche, geopolitische Spannungen und Kriege, Rohstoff- und Energieengpässe, Technologiesprünge. In solchen Phasen kürzen wir Budgets, frieren Projekte ein und hoffen auf besseres Wetter. Verständlich, aber nicht ausreichend. Was jetzt trägt und zusammenhält, ist Klarheit über das Warum unseres Handelns: Wozu gibt es uns? Was treibt uns an?
Purpose ist kein Marketingzusatz, sondern ein Resilienzinstrument. Studien des Beratungshauses McKinsey 2020 sowie 2023 mit ukrainischen Unternehmen zeigen: Mitarbeitende, die ihren persönlichen Sinn bei der Arbeit leben, berichten von hohem Durchhaltevermögen, Widerstandskraft, stärkerem Engagement und größerer Loyalität. In Krisen sorgt Besinnung auf den Zweck unseres Unternehmens für Konzentration auf das, was wichtig ist.
Zwei Beispiele aus eigenem Erleben.
Ein traditionsreiches Konsumgüterunternehmen, das zurzeit durch harte Zeiten geht, muss sich gerade neu erfinden: Einschnitte, ungewollte, schmerzhafte Abschiede, Neuausrichtung mit anderen Prioritäten. Ich frage den Geschäftsführer: „Wie nehmen die Mitarbeitenden diese Krise wahr? Wie ist die Stimmung?“ Seine Antwort verweist auf den Purpose des Hauses, das mit seinen Produkten seit Jahrzehnten Freude schenkt, ein Lächeln auf jedes Gesicht zaubert und mit denen sich Generationen von Mitarbeitenden identifizieren. Die Geschäftsführung reduzierte im letzten Jahr ihr eigenes Gehalt um 20 %, verzichtet auf eine Gehaltserhöhung und zahlt sich den Jahresbonus nicht aus. „Wir wollen beweisen, dass wir unsere besonderen Produkte neu erfinden können und überlebensfähig sind – gerade jetzt. Der Beweis, dass wir es ernst meinen, fängt bei uns an.“
Ein junges Biotechunternehmen, das durch Künstliche Intelligenz gestützte Medikamente für schwere Krankheiten entwickelt. Im letzten Jahr ging es durch besonders harte Zeiten, weil zugesagte Finanzierungen ausblieben. Der Mitgründer und das Team ließen keinen Zweifel daran, nicht nur durchzuhalten, sondern die Künstliche Intelligenz für die präklinischen Phase auszubauen, um darüber Effektivitäts- und Effizienzvorteile zu generieren und Skalierbarkeit zu erhöhen. Der Gründer ging all-in, finanziell und persönlich. Mit Erfolg. Heute startet das Unternehmen durch. Warum haben sie durchgehalten? „Weil die Heilung von diesen Krankheiten so viel Sinn macht.“, erklärt mir die Biochemikerin mit leuchtenden Augen.
Jetzt, in dieser Krise, trennt sich die Spreu vom Weizen. Wer kann Kräfte zum Weitermachen durch Sinn aktivieren? Die Grundlage dafür ist bei allen Unternehmen gelegt, nicht nur bei denen, die traditionsreiche Konsumgüter oder Medikamente entwickeln. Denn alle Mitarbeitenden dürsten nach Sinn in ihrem Tun, in Krisenzeiten mehr als ohnedies. Unternehmensleitung und Führungskräfte haben die Aufgabe, den Purpose greifbar zu machen und in der Organisation zu verankern. Anregungen dafür:
- in einem Purposeturnier mit möglichst vielen Mitarbeitern gemeinsam das Warum herausarbeiten; dabei das Warum nicht mit dem Was und Wie verwechseln;
- „Vor lauter Feuerlöscharbeiten haben wir keine Zeit für so etwas“ – diese Ausrede wäre Ausdruck mangelnder Führungskompetenz in Krisenzeiten;
- dafür sorgen, dass wir den Purpose knapp auf den Punkt bringen. Der Test: Verstehen ein Externer oder eine neue Mitarbeiterin den Purpose intuitiv? Welches Gefühl löst er bei ihr aus?
- jede größere Maßnahme durch zwei Linsen prüfen – „Zahlt es auf unseren Zweck ein?“ und „Hilft es uns durch die Krise?“. Eine „Stop-doing“-Liste gehört dazu;
- Rituale für die Kommunikation schaffen, zum Beispiel wöchentlich erlebte „Sinnmomente“ im Team austauschen.
Welche stärkende Wirkung erlebt Ihr durch den Purpose in Eurer Organisation? Erzählt Eure Geschichte.
Schreibt mir gerne.
Frohe und zuversichtliche Ostertage wünscht Euch
Markus Baumanns

